Militante Neonazis in Marzahn und die Gleichgültigkeit der Zivilgesellschaft

Als im Oktober 2014 angekündigt wurde, in Marzahn eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge zu bauen traten Neonazis, die 2013 gegen eine Unterkunft in Hellersdorf aktiv wurden, sofort auf den Plan. Im Gewand einer Bürgerbewegung gelang es ihnen bald,bis zu 1000 Menschen dazu zu bringen, mit ihnen auf die Straße zu gehen. Die Medien berichteten darüber intensiv; passte es doch in das Klischee von Marzahn als Nazibezirk.

Diese Zeiten sind mittlerweile vorbei – seit dem Jahreswechsel sank die Zahl der Teilnehmer dieser rassistischen Demonstrationen so stark, dass es im Februar oft nur noch 50 Nazis waren, die dort auf verlorenem Posten im bürgerlichen Gewand versuchten, ihr Anliegen legitim erscheinen zu lassen.

Das war auch der Stand, zu dem ich das letzte Mal in diesem Blog über das Phänomen „Bürgerbewegung Marzahn“ berichtete. Man könnte meinen, dass die Gefahr nun gebannt sei und man sich nun montag abends wieder anderen Themen zuwenden könnte.

Die wachsende Militanz der Bewegung

Dass dem nicht so ist, zeigt die alarmierende Tatsache, dass es seit Februar direkt von der Demonstration ausgehend,mindestens fünf Übergriffe auf Gegendemonstrierende und Politiker gab : Drohungen von 100 Nazis u.A. vor dem Wohnort einer Politikerin, Buttersäureangriffe auf die Gegendemonstration und ein Parteibüro und körperliche Angriffe.

Exemplarisch sei hier ein Ereigniss von der Demonstration am gestrigen 9. März 2015 beschrieben. Als die demokratischen Parteien Linke, Grüne, SPD und Piraten begannen ihre Infostände aufzubauen, tauchten die Neonazis René Uttke (NPD, Anmelder der Nazi-Demonstration) und Patrick Krüger (Stellvertretender Landesvorsitzender der rechtsextremen Partei „Die Rechte“; Laut eines Indymedia-Beitrags für eine Gewalttat mit Todesfolge verantwortlich) auf und versuchten den Aufbau zu behindern. Dabei pöbelten sie und schubsten sie die Aufbauenden und wurden schließlich von der Polizei vom Ort der Gegendemonstrationen entfernt und konnten später ungehindert ihre eigene Demonstration auf der gegenüberliegenden Straßenseite beginnen.

Das Versagen der Polizei vor Ort

Ein Stirnrunzeln im Bezug auf die Polizei erzeugt dabei nicht nur, dass der Übergriff für die beiden anscheinend ohne unmittelbare Folgen blieb, sondern auch, dass die Polizisten nicht wusste, dass es sich bei den beiden um Organisatoren bzw. Anmelder der Nazi-Demonstration handelte.

Die Demo aus ca. 80-100 Nazis, aus der gleich zu Beginn Einzelne auszubrechen versuchten, wurde schließlich von nur 20 Polizisten begleitet. Auch, dass gegen eine Vermummung der Teilnehmer nichts unternommen wurde und das Schwenken
der Reichskriegsflagge erlaubt wurde, ist fragwürdig.

Das Desinteresse der Zivilbevölkerung

Dass die Polizei mitunter auf dem rechten Auge etwas sehgestört ist, ist allerdings mittlerweile eine Binsenweisheit. Schlimmer finde ich, dass auf den wöchtenlich stattfindenden Gegendemonstrationen nur wenige zu finden sind, die nicht
ohnehin parteipolitisch organisiert sind. Selbst die Unterstützung der augenscheinlich der Antifa-Bewegung zuzuordnenden Personen schwindet.

Schätzt man nur die Anzahl der Bürger in den unmittelbaren Umgegend von ca. 200 Metern, so kommt man auf über 1500 Anwohner. Bei den Gegendemonstrationen waren zuletzt allerdings maximal 30 augenscheinlich nicht politisch organisierte
(Parteien oder Antifa) Bürger zugegen, von denen auch nicht alle zu den unmittelbaren Anwohnern zählen.

Diese Gleichgültigkeit, trotz offen zur Schau gestellter Menschenfeindlichkeit, macht nicht nur traurig sondern sie ist auch gefährlich gibt sie militanten Neonazis doch die Möglichkeit sich selbst eine stille Unterstützung herbeizufantasieren.

Nicht zuletzt ist es auch für das Image des eigentlich recht schönen Bezirks Marzahn Gift, wenn der Eindruck, dass man hier Neonazis akzeptiert und gewähren lässt, durch die Gleichgültigkeit der Anwohner bestätigt wird.

Update: René Uttke ist nach Eigendarstellung kein NPD-Mitglied. Dies wurde im Artikel
durch Durchstreichen kenntlich gemacht.

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Über kenny1987

Hallo Leute, ich bin kenny. Ich studiere momentan Informatik und werde über alles interessante was mir so über den Weg läuft bloggen. Seien es irgendwelche News oder aktuelle Entwicklungen von meinen Anwendungen. Viel Spaß :)
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3 Antworten zu Militante Neonazis in Marzahn und die Gleichgültigkeit der Zivilgesellschaft

  1. Rene Uttke schreibt:

    He du Molch. Icke bin noch nie ein NPD Mitglied gewesen und habe es auch nicht vor.

  2. frese schreibt:

    Ich kann kaum etwas anderes erwarten als das Menschen auf die Straße gehen. Ob für oder gegen Asyl Suchende spielt eigentlich keine Rolle. Der Hintergrund ist doch eigentlich der, es gibt wenig Arbeit bzw. die Arbeiten die es gibt werden schlecht bezahlt. 8,50 € Mindestlohn ist eigentlich viel zu wenig weil die Lebenserhaltungskosten wie Miete Strom et cetera exorbitant hoch sind. Die Wohnungssituation ist prekär, es gibt einfach nicht genug Wohnungen. Und nun kommen wohl in diesem Jahr 300.000 Menschen nach Deutschland. Alle diese Menschen brauchen Obdach Nahrung und medizinische Versorgung. Und sie kommen nicht einfach mal zu Besuch sondern werden mit allen Mitteln versuchen hier zu bleiben. Man kann aber eine Wohnung nur einmal anbieten! Und wenn es wenig Arbeit gibt gibt es wenig Arbeit. Wer wird also einen Job bekommen ein deutscher Mensch der vielleicht auch noch einen normalen Achtstundentag haben möchte, und Urlaub und solche Sachen, oder jemand der auch mit zehn oder zwölf oder 14 h Arbeit kein Problem hat. Der auch nicht sagt das mache ich nicht. Und wenn ich denn solche Geschichten höre, dass Menschen aus den so genannten neuen Ländern durch die Eroberung der DDR keine vernünftige Arbeit mehr bekommen haben, und wenn dann nur schlecht bezahlt (mir wurden in Dresden 3,70 € Stunden Lohn angeboten). Einige Millionen Menschen die im Alter bei den Sozialämtern betteln müssen um überleben zu können. Wir haben Armut in Deutschland, wir haben Obdachlose auf den Straßen, wir haben Rentner die hungern wir haben Kinder die hungern die hungrig in die Schule gehen. Wir haben in großen Teilen der Bevölkerung bitterste und grausamste Armut, und dieses Jahr kommen 300.000 gebildete zumeist junge kräftige und ehrgeizige Menschen gebildet und intelligent und eben auch rücksichtslos ins Land. Was soll das? Wem nützt das? Geht es hier tatsächlich um Humanität oder geht es hier nicht eher um Menschenmaterial für Industrie? Natürlich und ausdrücklich ist jeder Mensch willkommen! Nur wenn die eigenen Bürger nicht genug zum Überleben haben wie soll dann das Aussehen wenn dann jedes Jahr 300.000 wie dieses Jahr nächstes Jahr noch einmal 300.000 usw. ich persönlich sage das ist politisch gewollter Rassismus der hier gefördert wird! Die Politik will bewusst oder unbewusst die Menschen rechts bringen. Und spätestens dann wenn die letzte Wohnung für einen normalen Preis vergeben ist wird auch der letzte Gutmensch begreifen dass hier etwas richtig faul ist!

    • kenny1987 schreibt:

      Du machst hier einen Denkfehler und fällst komplett auf die verfehlte Sozialpolitik, wie sie momentan stattfindet, herein. Es ist ja nicht so, dass man keine neuen Wohnungen bauen könnte. Wir haben auch Arbeitsschutzgesetze und die gelten für Deutsche genauso wie für Flüchtlinge. Wenn es also eine Fehlentwicklung in der Sozialpolitik in unserem Land gibt sollten wir doch dagegen auf die Straße gehen und nicht gegen Menschen, die noch weniger haben als wir selbst. Letzteres ist aus meiner Sicht einfach nur asozial. Ein jeder möge sich selbst in die Lage versetzen wegen Krieg, Ausgrenzung oder extremer
      Armut in seinem Land nicht mehr leben zu können. Ich denke, ein jeder würde hoffen, dass ihm in solch einer Situation geholfen wird.

      Davon abgesehen sind es hier in Marzahn zum großen Teil nicht einfach Menschen, denen die Sozialpolitik hier stinkt, sondern solche die Ausländer und Andersdenkende als nicht gleichwertige Menschen ansehen und sich dabei immer mehr der Gewalttätigkeit nähern – schlicht und einfach Rechtsextremisten und Neonazis.

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