Das Nachspiel des braunen Spuks

Nachdem die Demonstrationen unter dem Pegida– und politisch noch weiter rechts einzuordnenden Nein-zum-Heim-Label abebben, kann man das Ende des braunen Spuks als Massenbewegung auf der Straße mittlerweile als Fakt ansehen. In Dresden brachte die zersplitterte Pegida kaum noch 2’000 von einst  25’000 Anhängern auf die Straße und auch hier in Marzahn sind von der von Rechtsextremen geführten Bürgerbewegung Marzahn nicht mehr als 70-100 Hooligans, Neonazis und Rassisten übrig.

Als Reaktion darauf verzichteten am letzten Montag auch die demokratischen Parteien von CDU bis Linke auf die Präsenz mit Infoständen gegenüber dem Startpunkt der montäglichen Nazidemonstrationen in Marzahn. Auch Gegendemonstrationen waren nicht angemeldet. Allein einige wenige Beobachter, wie bspw. Vertreter der SPD aus dem nahen Parteibüro waren gekommen.

Doch der Widerstand auch gegen nur 100 Rassisten bleibt notwendig. Dies gilt umso mehr, als dass zu verzeichnen ist, dass Nazis in letzter Zeit vermehrt Übergriffe und Anschläge auf die von ihnen als Gegner wahrgenommenen Menschen durchführen.

Vermehrte Angriffe und Anschläge auf Gegner

So wurde, um zu nächst in Marzahn zu bleiben, vor den letzten stattgefundenen Gegendemos Buttersäure am Standort der Gegendemonstrationen verteilt um diese zu erschweren. Einen solchen Angriff gab es in der vergangenen Woche auch auf das nahe Parteibüro der SPD, an dem am letzten Wochenende die Vertreter der rassistischen Bürgerbewegungen plakatiert hatten.

Doch bei dieser noch vergleichsweise harmlosen Art von Angriff bleibt es nicht, wie sich am vergangenen Wochenende in Wilmersdorf und Kreuzberg zeigte, wo es Anschläge auf die Abgeordnetenbüros von Martin Delius und Simon Weiß (beide Piratenfraktion) und Björn Eggert (SPD) gab. In beiden Fällen wurden die Scheiben mit Steinen eingeschmissen. Im Falle des Büros der Piraten, das unter dem sympathischen Namen „Büro der guten Laune“ firmiert, war das bereits der zweite Anschlag innerhalb kurzer Zeit.

Dass auch das in letzter Zeit nicht das Ende der Fahnenstange war, macht der Brandanschlag auf das Auto des Linken-BVV-Abgeordneten Hans Erxleben Anfang Januar deutlich. Auch hier ist nicht davon auszugehen, dass sich diese Form von Gewalt nur gegen Politiker richtet. So wurde im März letzten Jahres das Auto einer katholischen Seelsorgerin am Flüchtlingsheim in Hellersdorf angezündet, nachdem sie zuvor von Neonazis bei ihrer Arbeit fotografiert wurde.

Gefahr auch für Flüchtlinge

Auch die Flüchtlinge selbst bekommen das steigende Gewaltpotential zu spüren, wie der Tagesspiegel jüngst berichtete. Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte nahm im Vergleich zum Vorjahr massiv zu: Dreimal so viele Übergriffe gab es im letzten Jahr, davon fast die Hälfte zwischen Oktober und Dezember, dem Zeitraum also, in dem die neuen rechten „Bürgerbewegungen“ am aktivsten waren.

Ein ziviles Engagement ist und bleibt also weiter notwendig und kann von der Diskussion im Freundes- und Bekanntenkreis, über das Besuchen von Demonstrationen für ein freundliches und offenes Deutschland bis hin zum Engagement in Flüchtlingsunterkünften ganz unterschiedliche Formen annehmen.

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Über kenny1987

Hallo Leute, ich bin kenny. Ich studiere momentan Informatik und werde über alles interessante was mir so über den Weg läuft bloggen. Seien es irgendwelche News oder aktuelle Entwicklungen von meinen Anwendungen. Viel Spaß :)
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Eine Antwort zu Das Nachspiel des braunen Spuks

  1. Pingback: Militante Neonazis in Marzahn und die Gleichgültigkeit der Zivilgesellschaft | Kennys blog

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