Der Georgienkrieg und die Medien

Nun ist es also soweit und Russland zieht sich, zumindest nach eigenen Aussagen, zurück aus Georgien.

Doch – wie kam es soweit, dass sich russische Truppen tief in Georgien befanden? Dazu muss man zunächst wissen, dass es in Georgien Gebiete gibt, die die Unabhängigkeit von Georgien anstreben. Diese Gebiete sind Abchasien, Adscharien und das Gebiet in dem der aktuelle Krieg begann – Südossetien.

Karte Georgiens mit abtrünnigen Republiken

Karte Georgiens mit abtrünnigen Republiken

Die beiden Gebiete Abchasien und Südossetien liegen im Nordwesten bzw. Norden von Georgien und haben damit eine direkte Grenze zu Russland. In beiden Regionen gab es wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen schon Anfang der 90er Jahre Krieg und in beiden Regionen sind russische Truppen stationiert – offiziell als Friedenstruppen. Beiden Gebieten ist ebenfalls gemein, dass ein Großteil der Bürger neben dem international nicht anerkannten abchasischen bzw. südossetischen Pass auch den russischen Pass hat. Daher fühlt sich Russland nach eigenen Aussagen für die Bürger der abtrünnigen Teilrepubliken Georgiens verantwortlich.

Nun aber zum Verlauf des Krieges. Nach schon länger anhaltenden Konflikten begannen georgische Truppen südossetisches Gebiet, das nach dem Selbstverständnis Georgiens ihr Staatsgebiet ist, zu besetzen und die Hauptstadt Südossetiens, Zchinwali (eine Stadt mit 30’000 Einwohnern) anzugreifen. Zivilisten flohen ins russische Nordossetien, in dem der weitaus größere Teil der Osseten lebt.

Als Reaktion auf die Angriffe traten neben nordossetischen Freiwilligen auch russische Kampftruppen, zunächst mit Luftstreitkräften und dann auf mit Landstreitkräften, in den Krieg ein. Nach eigenen Angaben taten sie das um ihre Staatsbürger zu verteidigen. Im weiteren Verlauf des Krieges wurde das südossetische Gebiet komplett durch russische Streitkräfte zurückerobert.

Als letzte Eskalationsstufe, vor Rückzugsbekundungen, drang die russische Armee auch über die südossetischen Grenzen ins Landesinnere ein. Dabei wurden bspw. die Städte Gori (ca. 60km von der georgischen Hauptstadt Tiflis und 20km von der Grenze Südossetiens entfernt) und Poti bombardiert. Auch im bisher nicht betroffenen Abchasien fanden Kampfhandlungen statt.

Nach internationalen Bemühungen kündigten beide Seiten als die Verhältnisse klar waren an sich zurückzuziehen. Bisher scheint es als sei dem nur Georgien nachgekommen.

Im Verlauf des Krieges war es schwierig an neutrale Berichte zu kommen. Beide Seiten betrieben Propaganda, mit Todeszahlen und dem Vorwurf des Völkermordes.

Dabei behaupteten pro-russische Medien die georgische Seite hätte einen Völkermord begangen und pro-westliche Medien behauptete das Gleiche von Russland. Dazu muss man wissen, dass sich Georgien seit der sogenannten Rosenrevolution (2003) immer mehr an den Westen annähert und versucht Mitglied der NATO zu werden.

Doch wie kommt es zu den Vorwürfen?

Schaut man sich die Berichte der Tagesschau bzw. der ARD an so sieht man dort zum einen zivile georgische Flüchtlinge, die bei ihrer Flucht Angehörige verloren haben und die es selbst nur knapp geschafft haben Südossetien zu verlassen. Georgien hat also Gewalttaten an Zivilisten ausgeübt. In welchem Maß das stattfand kann man noch immer nicht sagen – aber wie immer ist jeder einzelne zu viel!

Nun ist es wichtig zu wissen, dass in Südosseten nicht nur Osseten leben, sondern dass es dort auch georgische Dörfer gibt – oder gab. Der ARD-Reporter Stefan Stuchlik fuhr durch Südossetien und konnte dort leere und zerstörte ehemals georgische Dörfer sehen. Es ist nicht klar ob es sich dabei um Einzelfälle handelt, oder ob systematisch Georgier in Südossetien getötet und vertrieben wurden.

Die Lage ist also unübersichtlich – und gerade das macht es so schwierig. Im Normalfall können einem die Medien in einem Krieg einen „Bösen“ präsentieren. Jeder Versuch das in diesem Krieg zu tun wäre nichts als Propaganda. Zum einen weil beide Seiten Verbrechen begangen und Leid verbreitet haben und zum Anderen weil es keine verlässlichen Aussagen zur Quantität dieser Verbrechen gibt.

Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Lage weiter beruhigt und dass auch der Kaukasus als eine Region mit vielen Völkern und vielen Machtinteressen irgendwann zur Ruhe kommt.

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Über kenny1987

Hallo Leute, ich bin kenny. Ich studiere momentan Informatik und werde über alles interessante was mir so über den Weg läuft bloggen. Seien es irgendwelche News oder aktuelle Entwicklungen von meinen Anwendungen. Viel Spaß :)
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